New Work und die Kraft positiver Arbeitsumgebungen

Der folgende Artikel wurde von Antje Waterholter, einer unabhängigen, auf Architekturpsychologie spezialisierten Architektin, verfasst.


Sich konzentrieren und kollaborieren, entspannen und regenerieren, den Geist fliessen lassen, Energie tanken, Entwicklung fördern und Ressourcen stärken – all dies sind Merkmale, welche ganzheitlich und organisch gestaltete Räume auszeichnen. Zudem erfüllen diese Eigenschaften zeitgemässe, an innovative Arbeitsumgebungen gestellte Anforderungen, um Kreativität, Produktivität und Zusammenarbeit der Mitarbeitenden anzuregen wie ebenso ihre körperliche und geistige Gesundheit zu unterstützen. Neben Arbeitsplatz-Qualitäten, die Sicherheit und Stabilität bieten, ist nach aktuellen Umfragen unter der jüngeren Generation eine Arbeitsumgebung wichtig, welche die Vielfalt ihrer Nutzerinnen und Nutzer wertschätzt und ausdrücklich ein Miteinander und darauf ausgerichtetes Handeln ermöglicht.

Einen entsprechenden Beitrag in der Entwicklung positiver Arbeitsumgebungen leisten die Prinzipien des biophilen Designs. Dieser evolutionsbiologisch begründete Ansatz geht von dem angeborenen Verlangen der Menschen aus, sich mit dem Lebendigen zu verbinden. So wird durch die Integration natürlicher und naturnaher Elemente in Räumen ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Mensch und gebauter Umwelt hergestellt. Mit der Einbindung von Pflanzen oder Wasser, Holz, Kork oder Lehm, konformen Düften, Klängen und Licht entsteht ein ästhetischer Gesamteindruck, ein Abbild geometrischer Muster, Formen, Farben und Proportionen, wie sie als fraktale Strukturen und Spektren in der Natur zu finden sind. So gelingt es uns Nutzerinnen und Nutzern über bewusste wie unbewusste Prozesse im Erleben derart gestalteter Räume eine gedankliche Verbindung mit der Natur herzustellen. Verknüpfungen mit positiven Vorstellungen und Erfahrungen sind der mentalen Gesundheit zuträglich und sensibilisieren für einen verantwortungs- und respektvollen Umgang mit der Umwelt. Zudem stärken und erweitern sie vielfältige Fähigkeiten wie beispielsweise Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen – Soft Skills, um die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt erfolgreich zu bewältigen.

Eine Arbeitsatmosphäre voller natürlicher Elemente im Co-working Space von Tadah

New Work als neue Form von Arbeit, ist von Trends wie Digitalisierung und Globalisierung geprägt, die nicht nur Mobilität und Flexibilität verlangen, sondern ebenso eine veränderte Haltung. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitskräfte langfristig zu binden, müssen Unternehmen und Organisationen sich diesem dynamischen Verlauf anpassen. Das bedingt zum einen die Weiterentwicklung von Führungskulturen und zum anderen die räumlich-bauliche wie sächliche Anpassung von Arbeitsumgebungen – Einflussfaktoren, die wechselseitig wirken. Die Entwicklung und Gestaltung von Räumen im Einklang mit Mensch und Natur schafft den Nährboden für mentale Wachstums- und Entwicklungsprozesse. Derart lebendige, multisensorisch wahrgenommene Räume haben positive Effekte auf Kreativität, Konzentrationsfähigkeit und ganzheitliches Denken. Sie stärken das Wohlbefinden und die Zufriedenheit ihrer Nutzerinnen und Nutzer und wirken den aktuell kritisch erhöhten psychischen Belastungen entgegen. Ausserdem vermitteln sie Sicherheit, bieten Orientierung, eröffnen neue Sichtweisen und Freiheit für individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten. Sie motivieren und inspirieren, erzeugen optimistische Stimmungen und schaffen angenehme Atmosphären.


Gebauter Raum nimmt Einfluss auf unseren Geist und unsere Seele, er wird nicht nur physisch erlebt, sondern durch den Menschen, seine Emotionen und individuelle Sicht geformt. Eine konzentrierte unmittelbare Auseinandersetzung mit den Nutzerinnen und Nutzern, die Wertschätzung ihrer Unterschiedlichkeit und die Berücksichtigung der zuvor genannten Gestaltungsprinzipien bereiten den Weg zur Entwicklung gesunden produktiven Raumes. So entstehen nachhaltige Räume, in denen die Menschen ihr volles Potenzial entfalten können. Kraftorte mit einer besonderen Ausstrahlung, die positive Emotionen auslösen, ein umfassendes Wohlbefinden herstellen und durch positive Interventionen auch längerfristig erhalten können, wie eine aktuelle Studie zum Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden aus der Perspektive der Positiven Psychologie und mit Pflanzen gestalteten Arbeitsumgebungen darlegt (Waterholter, 2018).



Die Autorin Antje Waterholter arbeitet seit 1992 als freischaffende Architektin. Mit ihrem Büro für soziale Architektur verwirklicht sie interdisziplinär und nutzerorientiert Arbeitsumgebungen, Lern-, Wohn- und Therapieräume, berät und begleitet alle Beteiligten in Prozessen räumlicher Veränderungen und beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Wohlbefinden in organisch gestalteten Räumen.

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